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Vor einiger Zeit sollen ein paar Affen aus Baumkronen herabgestiegen sein um sich in der Horizontalen mal etwas genauer umzusehen. Durch den ein und/oder anderen Zufall ergaben sich aus diesem Sprung vom Baum dann wohl Selektionsvorteile, für aufrechte, nur noch spärlich behaarte Wesen, die mit ihrer langarmigen Verwandtschaft nur noch wenig zu tun haben wollten. Die Freude an der Vertikalen Fortbewegung hat sich erstaunlicherweise trotzdem beharrlich erhalten. Nur fehlt es den Humanoiden inzwischen etwas an Sicherheit. In vier Millionen Jahren verlernt man halt das ein oder andere. Durchaus verständlich, ..., wenn man sich ein paar Millionen Jahre der Austüftelung von Werkzeugen widmet, bleibt einfach weniger Zeit den Bizeps zu beüben. Um den Trainingsvorsprung der langarmigen Verwandten etwas zu kompensieren setzt der Homo sapiens sapiens nun die Früchte seiner harten Erfinderarbeit ein und siehe da, es funktioniert. Recht gut sogar. Die wichtigsten Kletterwerkzeuge überhaupt sind Verstand und Erfahrung. Beide sind unverkäufliche Ausstellungsstücke. Hilfreich ist es außerdem auf eine/n Kletterpartner/in, ein Kletterseil, einen Klettergurt, ein paar Karabiner und Kletterschuhe zurückgreifen zu können.
SEILEIm Falle eines Sturzes zieht einen Mutter Erde mit einer Beschleunigung von 9,81m/s² an ihren mitunter recht harten Busen. Um der dabei unausweichlichen Bodenberührung zu entkommen, bedarf es eines Seiles, das den Sturz vor besagter Berührung bremst. Diese Bremsung soll elastisch weich vor sich gehen. Doch wie elastisch ist weich? Läßt man sich einige Meter in ein nur minimal dehnbares Stahlseil fallen, wird man von Glück reden können, wenn man mit schweren inneren Verletzungen davon kommt. Tauscht man das Stahlseil gegen ein elastisches Gummiband aus, verlängert sich die Sturzstrecke um ein Vielfaches und schließt (ähnlich dem Bungeesprung vom Kleiderschrank) den Bodenkontakt nicht mehr aus. Das Seil soll also mit Dehnung im sinnvollen Bereich (etwa 10%) die Sturzenergie aufnehmen und in irgendetwas für den Kletterer im Augenblick des Sturzes unbedeutendes verwandeln. Nun, da bietet sich doch Wärme regelrecht an. Und diese entsteht auch, wenn ein modernes Kernmantelseil per Sturz belastet wird. Nämlich durch Reibung auf molekularer Ebene, sowie der Kernfasern im Inneren des Seils untereinander. Ebenso ist die Reibung des Seiles am Fels, die Reibung des Seiles am Karabiner der Zwischensicherung, die Reibung im Anseilknoten und im Bremsknoten (HMS) oder der Seilbremse (GRIGRI) von Bedeutung. Um die Kernfasern vor eventuell schädlichen äußeren Einflüssen zu bewahren, werden sie von einem Mantel umhüllt. Auch dieser ist wieder aus vielen tausend Einzelfasern zusammengesetzt und schirmt UV-Strahlung, Reibung, Nässe und Schmutz je nach Beschaffenheit mehr oder minder gut ab. UV-Strahlung, Nässe und Schmutz werden mit Imprägnierungen weitestgehend auf Abstand gehalten. Reibung lässt sich leider nicht vermeiden. Hier kann man nur durch hochwertiges Fasermaterial ein Maximum an Haltbarkeit schaffen. Trotz alledem ist ein Seil kein unsterblicher Highlander. Jeder Sturz und jedes Jahr ab Kauf bringen es seinem Ende näher.
Um Seile untereinander vergleichen zu können, sind einheitliche Normen geschaffen worden, die für jedes Seil seiner Beschreibung entnommen werden können. Im Einzelnen sind dies:Sie sind bei relativ geringem Seildurchmesser enorm reißfest. Jedoch limitieren ihre geringen Dehnbarkeiten ihre Einsatzmöglichkeiten. Verwendet werden sie als Reepschnüren, Speleoseile, Lastseile, Fixseile und Arbeitsseile. Zum Sichern eines Vorsteigers sind sie denkbar ungeeignet, da sie kaum Sturzenergie aufnehmen.
GURTEDas Seil also haben wir. Doch wie verbinden wir den Kletterer mit dem Seil? Es fehlt dem Menschen ganz offensichtlich an einer Lasche, die zum Einbinden des Seils geeignet ist. Also muss er oder sie ein Gurt anlegen, der eine solche Lasche hat.
Im einfachsten Falle ist dies ein Sitzgurt. Dieser umschließt die Taille und die Oberschenkel. An der Vorderseite bietet er eine Einbindemöglichkeit und an den Seiten Materialschlaufen. Je nach verwendetem Material sind die Polsterungen der Gurte mehr oder minder bequem. Ein weiches Material drückt sich bei Belastung schnell zusammen und schnürt unangenehm ein. Dabei wird die Blutzirkulation behindert oder gar unterbrochen, mit den daraus resultierenden Folgen (je nach Dauer bis zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen!). Optimal sind harte Schäume, die mit breiten Auflageflächen die Belastung verteilen und den Druck minimieren. Die Dampfdurchlässigkeit ist eine Frage des Komforts. Im Sommer oder bei längeren und anstrengenden Touren sind die Unterschiede zwischen dampfdurchlässigen und dampfundurchlässigen Materialien deutlich zu spüren. Verstellbare Beinschlaufen verzeihen unregelmäßige Eßgewohnheiten, die Nutzung durch verschiedene Personen und die Verwendung sommers wie winters. Allerdings sind nicht bei allen Modellen die Beinschlaufenverstellungen zur Zufriedenheit ihrer Verwender abgepolstert. Empfindliche Gemüter sollten fixe Beinschlaufen verwenden. Ein vergleichender Anlegetest zeigt, dass erhebliche Unterschiede im Handling der Gurte bestehen. Nicht jede Schnalle ist einhändig zu bedienen und mancher tut sich schwer, Gurte ohne Hilfsklettverschluß so einzustellen, dass die geforderte Sicherheit gegeben ist. Materialschlaufen können aus starrem Kunststoff oder flexiblen Schlaufen gefertigt werden. Die Vorteile der starren Schlaufen überwiegen deutlich. So lassen sich Reepschnüre leichter und sicherer einhändig befestigen und lösen. Karabiner verhaken weniger. Wann immer es geht, sollten Sitzgurte durch Brustgurte ergänzt werden. Besonders wichtig sind Brustgurte beim waagerecht fallenden Körper. Da der Oberkörper (nach Abbremsung des Restkörpers auf Beckenhöhe durch den Sitzgurt) weiter beschleunigt wird, biegt sich die Wirbelsäule ungesund nach hinten durch und erleidet nicht selten vermeidbaren Schaden. Besonders prekär wird der beschriebene Sturz bei aufbelassenem, beladenem Rucksack. Dieser "zieht" den Oberkörper zusätzlich nach hinten. Brustgurte halten den Oberkörper aufrecht und bremsen ihn gemeinsam mit dem Becken ab.
KOMPLETTGURTESie bestehen auf den ersten Blick aus einem wirren Haufen Gurtmaterial, dass an den unmöglichsten Stellen durch Nähte miteinander verbunden ist. Tatsächlich ist die Konstruktion eines Komplettgurtes weniger schnell zu durchschauen als die eines Sitzgurtes. Beim Anlegen ist deshalb mit besonderer Sorgfalt vorzugehen. Komplettgurte umschließen Oberkörper und Becken gleichermaßen und bieten einen wesentlich höheren Einbindepunkt. Im Sportkletterbereich haben sie sich wegen ihres aufwendigen Handlings, ihres geringen Sitzkomforts und ihren nur spärlichen oder gar nicht vorhandenen Materialschlaufen nie richtig durchsetzen können. Es sind die optimalen Klettersteig- und Tourengurte. Durch fehlende Abpolsterungen behindern sie das Laufen so gut wie gar nicht. Sie können problemlos unter Rucksäcken getragen werden und fangen im Sturzfall den Körper sehr gleichmäßig ab.
KINDERGURTESie unterscheiden sich nur durch die Größe von Erwachsenengurten. Beliebt sind Komplettgurte für Kinder. Diese lassen sich über einige Jahre dem Wachstum der Bälger anpassen und schützen das noch weichere Skelett vor oben beschriebenen Verletzungen bei waagerechten Stürzen.
ARBEITSGURTEDiese professionellen Gurte müssen besonders strenge DIN Kriterien erfüllen. Sie sind an Einbindepunkten mit Stahlösen versehen und alles an ihnen ist auf ein Maximum an Haltbarkeit getrimmt. Gewicht ist dabei nebensächlich, weshalb solche Gurte auch wirklich nur von denen getragen werden, die sie tragen müssen.