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Ratgeber Schlafsack

Gäbe es Arbeitsverträge für Schlafsäcke, so wären darin die zu erbringenden Leistungen

Isolationsvermögen,
Gewicht,
Packmaß,
Kuschligkeit und Komfort, sowie Arbeitszeit

geregelt.
Natürlich würde man auch Vereinbarungen über die Entlohnung finden.

KUNSTFASERSCHLAFSÄCKE

wären danach günstige Angestellte der neuen Generation. Ihr Innenleben ist rein synthetisch. Verwendung finden dünne Fasern aus Polyester (PE), die antiallergisch und nahezu nässeunempfindlich sind.

Es bestehen jedoch gravierende Unterschiede in der Verarbeitung des PE, und damit in der Einsetzbarkeit der Schlafsäcke.

Hochwertige Fasern sind innen (macaroniartig) hohl und oberfächlich (spagettihaft) glatt. Das schafft eine hohe Isolationsfähigkeit und verhindert das Verhakeln der Fasern untereinander.

Beste Werte bezüglich Gewicht und Packmaß im Bereich der Kunstfasern erzielen Endlosfasern wie Polarguard 3D. Diese Fasern gehören ebenfalls zu den ausdauerndsten ihrer Zunft.

Um die Kunstfaser flächendeckend und ohne Kältebrücken verarbeiten zu können, verwenden engagierte Hersteller besondere Lagetechniken. Dabei werden die Kunstfaser-Matten in mehreren Lagen und/ oder überlappend (Schindelkonstruktion) genäht.

DAUNENSCHLAFSÄCKE

haben Stammbäume bis in die graue Vorzeit. Ihre Verwandten, die Federbetten, sind mit gröberem Innenleben seit Generationen im Einsatz. Daunen sind im Vergleich zur Kunstfaser:
geniale Isolatoren,
leichter,
viel kleiner im Packmaß,
hoch bauschfähig, kuschelig und dampfdurchlässiger (atmungsaktiver).

Einzige Nachteile sind ihr relativ hoher Anschaffungspreis und ihr Unvermögen bei starker Nässe die Isolationsfähigkeit aufrecht zu erhalten. Der Kaufpreis relativiert sich jedoch, wenn man die enorm lange Lebensdauer in die Berechnung mit einbezieht. Ein guter Daunenschlafsack ist bei entsprechender Pflege eine Anschaffung für mehr als ein Jahrzehnt. Die Nässe lässt sich mit wasserdichten Packsäcken, wasserabweisenden oder dichten Obermaterialien und etwas Obacht ganz gut auf Abstand halten.

Wie erkennt man nun, welche Daune hochwertig ist und welche nicht?

Die Hersteller der Schlafsäcke geben Quantitäts- und Qualitätskriterien für die verarbeiteten Daunen an.
  1. Art der Daune (GD/ED) Gänsedaune (GD) ist Entendaune (ED) qualitativ überlegen
  2. Füllmenge (in Gramm) Je mehr Inhalt, desto wärmer. (Gilt nur dann, wenn die anderen Parameter die Qualität nicht "drücken")
  3. Mischungsverhältnis (Daune/Kleinfederanteil) Je höher der erste Wert, desto kleiner, leichter, weicher, wärmer und teurer wird der Schlafsack.
  4. Bauschkraft (in cuin = inch³) Je höher die Bauschkraft, desto bessere Isolationswerte, bei kleinem Packmaß.

Aus diesen Angaben kann man die Ehrlichkeit der herstellerseitig gemachten Temperaturangaben (siehe unten) abschätzen.

Die Konstruktion des Schlafsacks bestimmt die Qualität im gleichen Maße wie die Daune. Durchgesetzt hat sich die Mumienform mit Kapuze und seitlichem Reißverschluß. Alternativ dazu existiert die Kastenform (für Freiheitsliebende, die sich an den körperbetonten Schnitt der Mumien nicht gewöhnen wollen) und die Eiform (für Freiheitsliebende, die sich an den körperbetonten Schnitt der Mumien nicht gewöhnen können, wohl aber die Vorteile dessen einsehen). Die Mumie ist wegen ihres körpernahen Schnitts das Optimum bezüglich der innen zu wärmenden Luft und der Materialmenge (Gewicht und Packmaß!!).

Um die Daune gleichmäßig um den zu isolierenden Körper zu verteilen, wird sie in Kammern gefüllt. Diese Kammern haben unterschiedliche Querschnitte und Formen, die Kältebrücken durch verrutschende Daunen verhindern sollen.

TEMPERATURANGABEN

Unsere Schlafsäcke sind nach dem europäischen Standard EN13537 gekennzeichnet. Das bedeutet, Sie werden folgende Angaben vorfinden:

Darüber hinaus existiert nach der Norm EN13537 für jeden Schlafsack eine Extremtemperatur, welche den Temperaturbereich mit Unterkühlungsrisiko angibt. Als Referenz dient eine "Standard-Frau" mit einem Gewicht von 60 kg in "sich vor Kälte schützender" Körperhaltung (zusammengerollt).
Wegen den großen Unterschieden von Mensch zu Mensch kann die Schlafsacknutzung in diesem Bereich gefährlich sein, und wird deshalb von uns nicht angegeben.
Die Temperaturen gelten leicht bekleidet.

Neben der Konstruktion des Schlafsackes spielen weitere Faktoren eine entscheidene Rolle für die tatsächliche Wärmeleistung: Abweichungen vom Idealzustand ziehen eine oft deutlich schlechtere Kälteverträglichkeit nach sich.
Um sicher zu gehen, wählen Sie den Komforttemperaturbereich besser etwas tiefer als Sie bräuchten. Einen zu warmen Schlafsack zu öffnen und wie eine Decke zu verwenden ist möglich. Einen zu kalten Schlafsack in Richtung tiefere Komforttemperatur zu verbessern ist zwar auch möglich, erhöht aber Gewicht, Packmaß und Gesamtpreis, schmälert den Komfort und funktioniert praktisch nicht so, wie theoretisch zu berechnen wäre. Zwei übereinandergezogene Sommerschlafsäcke sind eben doch kein Winterschlafsack.

GRUNSÄTZLICHES

Synthetische Innenstoffe sind die grundsätzlich bessere Wahl. Wem das Gefühl der glatten Stoffe unangenehm ist, dem sei zu einem Inlet geraten. Dieses hält Distance zum Innenstoff und hebt, so es aus Seide ist, den Komfort ganz ungemein. Außerdem schützt es den Schlafsack. Dieser braucht weniger häufig einer Wäsche unterzogen zu werden, was die Lebensdauer verlängert.

An einigen Schlafsäcken lassen sich Verarbeitungsdetails entdecken, die eine Nutzung des guten Stücks gerade bei tieferen Temperaturen (ab -5 °C) komfortabler gestalten. So verrichtet ein Wärmekragen, der den Wärmeverlust im Schulterbereich einschränkt, sinnvolle Dienste und auch eine prall gefüllte Abdeckleiste unter dem Seitenreißverschluß bewahrt das mollige Schlafklima in der Tüte.

PFLEGE UND REPARATUR

Verwendenden Sie Inlets um den Schlafsack zu schonen. Bewahren Sie diese getrennt vom Schlafsack auf (nicht mit in den selben Packsack stopfen!).

Vermeiden Sie das Nasswerden Ihres Schlafsackes mit wasserdichten Packsäcken.

Schütteln Sie Ihren Schlafsack (vor allem Daunenschlafsäcke) vor der Benutzung gut auf. Lüften Sie den Schlafsack nach jedem Gebrauch gut aus. Legen Sie ihn dafür nicht in die pralle Sonne.

Sollten Sie Ihren Schlafsack längere Zeit nicht verwenden, verwahren Sie Ihn an einem dunklen, trockenem Ort in unkomprimiertem Zustand.

Beschädigungen am Außenmaterial sollten, wenn möglich, vom Fachmann behoben werden.

Vermeiden Sie unnötiges Waschen. Bei Bedarf verwenden Sie Spezialpflegemittel. Daunenschlafsäcke werden optimal in den großen Trommeln der Waschsalonmaschinen bei niedriger Temperatur (30°C) im Wollwaschgang mit Tennisbällen als Schlafsack-Bewegern gepflegt. Eine Anschließende Trocknung im Trockner ist zwingend notwendig, um ein Daunenverklumpen zu verhindern. Perfekte Pflege garantiert eine Wäsche, die vom Hersteller durchgeführt wird.

RESÜMEE

Wer den höheren Preis nicht scheut und seinen Schlafsack vor Nässe zu schützen versteht, der ist mit einem Daunenschlafsack bestens beraten. Alle anderen nehmen die Kunstfaser. Eine maßvolle Überdimensionierung Ihres Schlafsackes bezüglich der Temperatur schadet nicht. Gerade Frostbeulen und Menschen mit wechselnden Reisezielen ist ein Temperaturpolster anzuraten.