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Ratgeber Trinkwasser

TRINKWASSER ist in heimischen Gefilden fast allgegenwärtig. Auf Reisen kann es zur Mangelware werden oder Montezumas gefürchtete Rache mit sich bringen. Gegen beides gibt es Abhilfe.

Allheilmittel gegen Mangel ist das rechtzeitige Anlegen von Vorräten (alte Eichhörnchenweisheit). Nun hat Wasser die für den Transport unangenehme Eigenschaft, ein recht hohes Eigengewicht aufzuweisen. Also ist die Menge des zu transportierten Wassers einer kritischen Prüfung zu unterziehen.

BEDARF

Pro Tag benötigt eine Person je nach körperlicher Aktivität zwischen 40 und 80 ml Wasser pro kg Körpergewicht. Mittlere Aktivität und ein Gewicht von 70 kg vorausgesetzt entspricht dies ca. 3,5 Liter Wasser. Nicht alles davon muss direkt als Wasser aufgenommen werden. Viele Nahrungsmittel enthalten bereits Wasser, weshalb 2 Liter Trinkmenge unter normalen Umständen oft ausreichend sind. Ist eine Trinkwasserquelle vorhanden, ihre Verfügbarkeit jedoch nicht permanent sicher gestellt, ist ein

WASSERTRANSPORT

in lebensmittelechten Flaschen, die reisetauglich bruchfest sein sollten, Kanistern oder Wassersäcken unumgänglich. Flaschen und Kanister haben den Nachteil, ihr Volumen nicht auf den Inhalt anpassen zu können. Es sei denn, sie gehören zur neuen faltbaren Generation. Faltkanister sind ideal für die Verwendung bei großen benötigten Wassermengen. Um Überraschungen der feuchten Art zu vermeiden, sollten sie regelmäßig auf Lecks, vor allem an den Knickstellen, untersucht werden.

Wassersäcke haben ein lebensmittelecht und wasserdicht beschichtetes Gewebe, was sie wesentlich knickstabiler und belastungsfähiger macht. Sie passen sich dem Volumen ihres Inhalts hervorragend an und nehmen deshalb auch immer nur soviel Platz wie nötig weg. Empfohlen seien die größeren Volumina, weil diese sich im Rucksack besser packen lassen und die Option zum Transport größerer Mengen offen lassen. Außerdem ist mit entsprechendem Zubehör auch die Einrichtung einer Dusche möglich. Schwarze Stoffe, welche bei Sonneneinstrahlung die Wärme absorbieren, erwärmen das Wasser und machen die Körperpflege überwindungsärmer.

Da Leitungswasser nicht überall auch Trinkwasser ist, besteht die Notwendigkeit zur

TRINKWASSERAUFBEREITUNG

Verunreinigungen von Wasser können biologisch durch Mikroorganismen (z.B. Bakterien, Parasiten) oder chemisch (z.B. Pestizide, Schwermetalle) bedingt sein.

Je nach Art der Verunreinigung bieten sich verschiedene Aufbereitungsmöglichkeiten an.

Biologisch belastetes Wasser kann nach Großmutters Sitte abgekocht werden. Häufig wird dabei jedoch nicht beachtet, dass Kochzeiten unter 15 min nicht den gewünschten Erfolg bringen. Wer einmal 15 Minuten vor einem Liter kochendem Wasser gesessen hat, weiß, dass diese Methode für den Einsatz im Freien nur als Notvariante zu verwenden ist. Zu groß ist der Verlust durch verdampfendes und überkochendes Wasser. Zu wertvoll der Brennstoff und zu unsicher das Ergebnis. Komfortabler ist die Zugabe von Silberionenpräparaten, die eine Weitervermehrung von Bakterien hemmen. Hält man die der Packungsbeilage zu entnehmenden Einwirkzeiträume ein, schickt man - bedingt durch die kurze Lebenserwartung eines Bakteriums – den kompletten Stamm in die Ewigen Jagdgründe. Da Mangels Weitervermehrung keine Nachfahren hinterlassen werden konnten, kann man das Wasser anschließend als genießbar bezeichnen. Silberionen wirken jedoch nicht bei allen Mikroorganismen, weshalb die alleinige Anwendung nur in Niedrigrisikogebieten angeraten werden kann. In Hochrisikogebieten, in denen das Wasser neben Bakterien eventuell noch Amöben und andere schwer zu beseitigenden Keime bereithält, sollte unbedingt auf Chlorpräparate zurückgegriffen werden. Die desinfizierende Wirkung des Chlors kann mit einem anschließend zur Konservierung hinzugegebenen Silberpräparat ergänzt werden. Um den Chlorgeschmack abzumildern oder vollständig zu neutralisieren, sind zur großen Freude aller Teetrinker Chlorbinder im Handel. Diese binden das überschüssige Chlor. Jodhaltige Wasseraufbereiter sind zwar noch im Handel, wegen diverser Nebenwirkungen unserer Meinung nach aber nicht mehr zeitgemäß. Bei Verwendung von Jod zur Wasserentkeimung ist die anschließende Anwendung eines Aktivkohlefilters zur Jodelimination notwendig. Da alle Zugaben von Wasserentkeimern und –konservierern mit einer mehr oder minder ausgeprägten geschmacklichem Belastung verbunden sind und auch nur in klarem schwebstofffreien Wasser wirken, zählen Wasserfilter, die dem zu entkeimenden Wasser nichts hinzufügen, sondern entziehen, als eleganteste Methode.

WASSERFILTER

können biologisch und/oder chemisch belastetes Wasser reinigen, indem mittels einer Pumpe oder etwas zeitaufwändiger per Schwerkraft Wasser durch ein siebähnliches Filterelement gedrückt wird. Sie funktionieren ausschließlich mit Süßwasser und sind nicht zur Meerwasserentsalzung geeignet.

Aktivkohlefilter absorbieren üble Geschmacksstoffe (Fäulnisgeschmack), sowie giftige Substanzen (Pestizide). Als Nebeneffekt werden grobe Schmutzpartikel zurückgehalten. Ist das Absorptionsvermögen der Aktivkohle ausgereizt, passieren die im Wasser gelösten Substanzen den Filter und gelangen in das Trinkwasser. Zur biologischen Reinigung sind Aktivkohlefilter nur bedingt geeignet. Ihre Porengröße liegt weit über der eines Bakteriums. Infektionsprophylaxe kann hier also nur mit zusätzlicher Gabe von Chlor und/oder Silberionen erfolgen.

Keramikfilter bieten die höchste Sicherheit durch Poren, die je nach Hersteller bis 0,2 Mikron messen. Selbst sportliche Bakterien können diese Hürde nicht überwinden und verfangen sich im Keramiklabyrinth. Die kleinsten im Wasser lebenden und für den Menschen gefährlichen Krankheitserreger sind die Viren. Die würden ob ihrer geringen Größe die Passage theoretisch zwar schaffen, leben jedoch fast ausschließlich in Bakterien und reichern sich mit diesen im Keramikelement an. Gute Filter drücken das unreine Wasser von außen nach innen durch ein Keramikelement. Die gefilterten Bestandteile verfangen sich also an der gut zugänglichen Außenseite, verstopfen diese und behindern den Wasserdurchtritt. Ein Keimdurchtritt bei Überlastung ist so nicht möglich. Mittels mitgelieferter Schleifkörper lässt sich eine dünne Schicht Keramik entfernen und der Filter wieder wasserdurchgängig machen. Der Filter ist so lange funktionstüchtig, bis die verbleibende Keramikkerze eine zu geringe Wandstärke aufweist und ausgetauscht werden muss.

Kombifilter reinigen das Wasser sowohl durch den Einsatz von Aktivkohle, als auch durch ein Keramikfilterelement. Das Resultat ist ein biologisch und chemisch unbedenkliches Trinkwasser von gutem Geschmack.