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Ratgeber Zelt

Sie brauchen ein Zelt und können sich nicht so recht entscheiden?

Dann sollten Sie einmal die folgenden Überlegungen anstellen:

Wie viele Menschen, Tiere und Gepäck soll Ihr Zelt maximal schlucken können?
Rechnen Sie im Zweifelsfall sicherheitshalber eine/n fiktive/n Reisebegleiter/in hinzu. Schon die Grundflächenmaße lassen erahnen, dass die Herstellerangaben immer mit einem Minimalplatzbedarf pro Person kalkuliert sind.

Was soll Ihr zukünftiges Zelt leisten können?
Die Konstruktion und das Material sind entscheidende Kriterien für den Einsatzzweck. Ein Mecklenburg-Paddeltour-Zelt braucht nicht unbedingt einen schneedichten Röhrenlüfter. Andererseits schadet er nicht.

Was ist Ihnen Ihre Unterkunft wert?
Es gibt Zelte, die sind absolut universell einsetzbar, sehr groß, trotzdem federleicht und begleiten Sie ohne muckern durch dick und dünn. Und es gibt Zelte, die sind bezahlbar. Mit anderen Worten: Setzen Sie Prioritäten. Alles ist einfach nie unter einen Hut zu bekommen.

Wenn Ihre Prioritäten bereits feststehen, dann Herzlichen Glückwunsch! Sie sind Ihrem Zelt schon sehr nahe. Für alle anderen empfiehlt sich die Lektüre der sich anschließenden Detailinformationen.

DIE KONSTRUKTION

Tunnelzelte, die mit ihren ungekreuzten Gestängen und steilen Seitenwänden ein sehr gutes Raum-Gewichtsverhältnis bieten, sind bei guter Abspannung und glücklicher Lage zur Windrichtung windstabil und sehr unkompliziert zu handhaben. Modelle mit zusätzlichem Gestängebogen zur Verlängerung der Apsis bieten noch mehr Platzreserve und eignen sich daher als Familien- und Großraumzelte.

Beim Aufbau im strömenden Regen zeigt sich der Vorteil des im Außenzelt eingehängten Innenzeltes. Es bedarf keines separaten Aufbaus und bleibt trocken.

Kein Tunnelzelt steht katalogtauglich ohne Abspannung! Eine Minimalbefestigung von mindestens den Röhrenenden ist essentiell.

Kuppelzelte haben Gestänge, die sich in einem oder mehreren Punkten kreuzen. Das Gewicht pro Raumeinheit nimmt dadurch zu, doch mit ihr auch die Windstabilität. Es gibt Konstruktionen, die ähnlich ihren tunneligen Kollegen die Innenzelte durch Aufhängung im Außenzelt vor dem Nasswerden beim Aufbau im Regen schützen. Andere haben ein loses Überzelt. Dieses wird erst nach Innenzeltaufbau übergeworfen und verspannt. Gemeinsam ist allen Kuppelzelten der freie Stand auch ohne Abspannung. Damit ist das mal-eben-noch-schnell-versetzen wegen einer spät entdeckten Bodenwelle oder ungeahnt harten Wurzeln relativ unproblematisch. Außerdem kann man zur Not (aber wirklich nur dann) auch einmal ganz auf die Abspannung verzichten, zum Beispiel auf steinigem Boden und in Ermangelung einer Heringslochbohrmaschine! Wenn es möglich ist, wird man natürlich auch ein Kuppelzelt immer ausreichend abspannen. Nur so erreicht man gute Windstabilität.

Geodäten sind eine Sonderform der Kuppelzelte. Sie wirken schon auf Distanz windstabiler als die anderen. Der Drucktest gegen eine Gestängekreuzung erhärtet den Verdacht: Das hier sind Zelte, die den von außen kommenden Kräften ein Maximum an Stabilität entgegensetzen. Egal ob Sturm peitscht oder zentnerweise Schnee auf dem Zelt liegt, ein Geodät wird es besser verkraften als andere. Durch mindestens einen, meistens jedoch zwei zusätzliche Gestängebögen und mindestens vier zusätzliche Gestängekreuzungspunkte kommt es zu besserer Kraftverteilung (Ähnlich einem Rad mit vielen Speichen wird selten nur ein Gestängebogen allein beansprucht.).

Einmann- oder Familienzelte entsprechen in ihrem Einsatzgebiet am ehesten dem Zelttyp, dem sie in ihrer Konstruktion am ähnlichsten sind.

DIE MATERIALIEN

Ein Zelt sollte wasserdicht sein. Wasserdichtigkeit im Regen ist laut DIN ab etwa 1500 mm Wassersäule gegeben. Die Praxis zeigt jedoch, dass höhere Wasserdichtigkeiten (mindestens 3000 mm) über einen längeren Zeitraum gesehen durchaus sinnvoll sind, da durch Abnutzung (UV-Licht, Abrieb, Alterung) der Grad der Wasserdichtigkeit abnimmt.

Bodenmaterialien benötigen die höchsten Wasserdichtigkeiten. Hier sind 6000 mm Wassersäule durch den punktuellen Auflagedruck (Fuß oder Knie) schnell erreicht.

Beschichtungen auf den Trägermaterialien verhindern den Wasserdurchtritt. Bewährte Beschichtungen sind Polyuhrethanfilme (PU) oder Silikone (SI), bewährte Trägermaterialien Polyester (PE) oder Nylon. Als leichte, langlebige Kombination für den "Normaleinsatz" empfiehlt sich PU-beschichtetes PE. Noch leichter und langlebiger, leider jedoch auch teurer ist die Beschichtung von Nylon mit SI. Geringere Abriebswerte und höhere UV-Stabilität erhalten die Wasserdichtigkeit wesentlich länger. Für die Böden eignet sich ein PU-beschichtetes Nylon.

Die Gestänge sind bei allen hochwertigen Zelten aus leichten, flexiblen Aluminiumlegierungen. Deren UV-Beständigkeit, Gewicht und Reparaturfähigkeit hat die Glasfibergestänge fast vollständig verdrängt.

GRUNDRISSE UND AUFBAU

Empfangshalle, Garage, Wintergarten, Speisekammer und Hundehütte. Dafür muss die Apsis herhalten. Da hier auf den Boden verzichtet worden ist, stellt man hier unter, lagert zwischen, kocht (mit Vorsicht!). Je größer die Apsis, desto Dauerregen-tauglicher ist ein Zelt. Praktisch sind Konstruktionen mit zwei Apsiden. Hier kann man trotz Küchen- und Abstellraumnutzung der einen Apsis zur anderen noch fliehen, ohne mit dem Fuß am Rucksack hängen zu bleiben und im Versuch sich abzufangen, den Topf samt Suppe und Kocher umzureißen.

Ein zweiter Eingang sorgt für bessere Lüftung beim Kochen im Zelt, erhält Freundschaften, wenn nachts die Blase drückt und bietet immer einen windgeschützten Eingang.

Luftzirkulation ist ob der Kondenswasserbildung am Außenzelt und der Frischluftzufuhr bei Vollbelegung wichtig. Je mehr und je größere Lüftungen, desto besser. Der Abstand zwischen der Unterkannte des Überzeltes und dem Boden unterstützt die Zirkulation. Für Winterzelter können verschließbare Lüftungen und ein geringer Überzelt-Boden-Abstand interessant und wichtig werden.

PFLEGEHINWEISE

Stellt man ein Zelt in die pralle Sonne, werden im Zelt schnell tropische Temperaturen erreicht und das Zeltaußenmaterial leidet. Deshalb versuchen Sie besser ein lauschiges Schattenplätzchen zu finden. Das schont alle Beteiligten.

Die Zeltböden bestehen in der Regel aus einem sehr leichten, hoch wasserdichtem Material. Um die Wasserdichtigkeit zu erhalten, untersuchen Sie bitte die Stellfläche nach spitzen Gegenständen und entfernen Sie diese oder gegebenenfalls Ihr Zelt. Optimal geschont wird der Zeltboden durch spezielle Zeltunterlagen, die zwar nicht wasserdicht, aber enorm strapazierfähig, vielseitig verwendbar und preiswert sind. Sind diese verschlissen, können sie nachgekauft werden, was mit Zeltböden nicht, oder nur bedingt möglich und auch sehr teuer ist.

Befreien Sie Ihr Innenzelt regelmäßig von eingetragenem Material (Sand, Stöckchen, Muscheln und andere Urlaubserinnerungen). Ihr Boden wird es Ihnen mit längerer Funktion danken.

Zelte sollten bei Nichtgebrauch trocken und schattig gelagert werden. Nässe verursacht Stockflecken und Kellergeruch.

Sollten Sie Ihr Zelt unbedingt einer Feuchtpflege unterziehen wollen oder müssen, so vermeiden sie Waschmittel und Maschinenwäsche. Eine Handwäsche mit lauwarmen Wasser oder ein Gartenschlauch sind geeignet, um Normalschmutz und Staub zu entfernen.

Versuchen Sie, offenes Feuer im Zelt zu vermeiden. Kochen im Zelt also nur mit Vorsicht und Erfahrung im Umgang mit Ihrem Kocher. Benzinkocher sollten Sie selbst bei Regen besser vor dem Zelt vorheizen.

REPARATUR

Gebrochene Gestängesegmente könne einzeln nachgekauft werden. Während der Tour ist das zwar beruhigend zu wissen, praktisch aber nutzlos. Deshalb gibt es kleine Gestängereparaturhülsen, die über die Defektstelle gezogen und dort mit Klebeband befestigt werden. Für den Resturlaub ist das Problem gemindert oder gelöst. Je nach Ausmaß des Defektes.

Materialdefekte im Überzelt und Boden sollten mit dem gleichen oder ähnlichem Material übernäht werden. Eventuell entstandene Nahtlöcher müssen, um die Wasserdichtigkeit wieder herzustellen, gedichtet werden (Nahtdichter). Bitte achten Sie bei der Nahtdichterauswahl auf die Art der Beschichtung Ihres Zeltes.